
Frische Milch vom Grünen Baum
Die Stadt Rödermark stellte am 10. Mai 1895 ihre erste Gaststättenkonzes-
sion aus - zugunsten des Günen Baumes, der ersten Biergartenwirtschaft
in Messenhausen. Das Lokal wurde schnell zu einem beliebten Anlaufpunkt-
und ist es bis heute geblieben.
Ein früher Sommerabend im Grünen Baum:
Auf einem Gasherd stehen rund ein Dutzend Pfannen, in denen Rumpsteaks - Kaliber200 (11,00 Euro) bis 600 Gramm -, anderes Kurzgebratenes oder duft-
ende Bratkartoffelnbrutzeln. Freundliches weibliches Servicepersonal flitzt
zwischen den Tischgarnituren imGarten umher. Immer wieder schnappt man
die Fragen „ Dazu ä lecker Salätsche? “ oder „ Mit Sößsche oder Kräuterbutter? “
auf. In der kühleren Jahreszeit spielt sich die Scenerie ähnlich im Gastraum ab -
auf den Blick in die Küche muss man dort leider verzichten. Dafür gibt es
anderes zum Schauen.
Das war nicht immer so.
... aber das ist eine lange Geschichte...
400 Morgen von Frankenstein an die Heberers
Am 20. August 1882 erwarb Wilhelm Heberer für 8.800 Goldmark ein 400
Morgen großes Areal vom Freiherr von Frankenstein - der diese Veräußerung dokumentierende Kaufbrief existiert noch heute. Bis das Gehöft sich zur jetz-
igen Gaststätte gemausert hatte, die von Wilhelms Urgroßenkel Harald be-
trieben wird, war es damals noch ein weiter Weg.
Bereits vor Konzessionserteilung nahm Haralds Großvater „ Schorsch “ - im Nebenerwerb zur Landwirtschaft - in kleinem Rahmen den Gastronomiebe-
trieb auf. Der damalige Bauernhof, auf dem im 14-Tagesrythmus geschlachtet
wurde und der 1936
über die erste Melkmaschine rundum verfügte, stützte seine Haupterwerbs-
tätigkeit noch auf den Handel mit eigenen landwirtschaftlichen Erzeugnissen:
Butter, Käse, Wurst und Schinken.
Gastronomie nicht mehr nur nebenbei
Damals gönnten sich die regionalen Bauern aus dem Dieburger Raum auf dem
Weg zu oder der Rückkehr von den Frankfurter Handelsplätze im Grünen Baum
eine kurze Rast.
Heute kommen Gäste aus dem umliegenden Gemeinden - besonders wochen-
ends gern mit dem Fahrrad.
Kühe und Schweine verschwanden vom Gelände. Knapp 50 glückliche (es gibt
einen Gockel!) frei laufende Hühner kümmern sich allerdings noch täglich um
das Wohl der Gäste.
Etwa wenn ein Stammkunde Messenhäuser pizza - Eier mit Speck - bestellt, so
wie er sie seit über einem hlben Jahrhundert des besonderen Eies wegen liebt.
Philipp Heberer, der das Areal Anfang der 80-er von seinem Vater Schorsch erbte
und umbaute, verstarb 1994. Danach war es für ein Jahr mit der Gastwirtschaft
vorbei. Im Jubiläumsjahr zum 100-jährigem Bestehen ging es weiter. Philipps
Sohn Harald, gelernter Metzger, fügte sich dem Drängen der vormaligen Stamm-gäste und nahm den Betrieb wieder auf.
Übern Hof die Kuh-Bar
Schmunzelnd erinnert sich Harald Heberer an seine Kindertage, als es nichts besonderes war, dass man sich frische Milch vom Grünen Baum holte. Andere
Dinge sind geblieben, wenn auch umfunktioniert.